Interview mit Sebastian Funke von smeet

Ein Interview mit dem Gründer von smeet, einer 3D-Plattform für Social Games und Chats. Sebastian Funke beantwortet in unserem Interview Fragen von der Gründungsidee und den Herausforderungen bis hin zu Zukunftsaussichten der 3D Social Plattform smeet.

Interview mit Sebastian Funke von smeet

Berlin gilt mittlerweile als das Silicon Valley Deutschlands. Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Sebastian Funke: Tatsächlich siedeln sich immer mehr Unternehmen aus der IT-Branche in Berlin an, ähnlich wie in den 1970er Jahren in der San Francisco Bay Area in den USA, die viele als Silicon Valley kennen. Mehrere günstige Bedingungen Berlins treiben diesen Trend voran: So ist es im Gegensatz zu anderen deutschen Städten in der Hauptstadt möglich, auch mit kleinem Budget ein gutes Leben zu führen. Die Lebenshaltungskosten sind vergleichsweise niedrig. Zum Beispiel findet man sowohl als Privatperson als auch als Unternehmer eine preiswerte Wohnung und Gewerberäume. Darüber hinaus ist das Freizeitangebot Berlins ebenfalls erschwinglich, dafür sehr abwechslungsreich und einzigartig. Die Hauptstadt besitzt mit ihren unterschiedlichen Bezirken und Einwohnern aus aller Welt ein kreatives Potenzial, das so deutschlandweit in keiner anderen Stadt zu finden ist. Ideen werden hier geboren und umgesetzt, was die Stadt für Gründer so interessant macht. Zudem schätzen Jungunternehmer, dass sie hier auf engagierte Mitarbeiter treffen, die den gleichen Spirit leben wie sie und Spaß daran haben, innovative Unternehmen zum Erfolg zu führen.
Die erste Gründer- und Investorenwelle entstand 1998 und hielt bis zum Wirtschaftscrash im Jahr 2000 an. Danach wurde es ruhig um diesen Industriezweig. Seit 2005 geht es mit der deutschen Internet-Wirtschaft wieder bergauf und die positive Entwicklung hat sich in den letzten zwei, drei Jahren stark beschleunigt. Interessante Projekte bringen Kreative, Business Angels, Investoren und IT-Leute nach Berlin, die sich hier niederlassen. Inzwischen ist eine große Startup-Gemeinde entstanden, die optimale Bedingungen bietet, um Ideen zu verwirklichen.

Was genau ist das Konzept von Smeet?

Sebastian Funke: Smeet ist eine einzigartige Kombination aus Social Game, Chat und sozialer Interaktion. Auf unserer virtuellen 3D-Plattform bieten wir Nutzern verschiedene Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten. Zum Beispiel können die User durch die gemeinsame Gestaltung der Räume und Avatare, das gegeneinander Spielen sowie das Punkte sammeln und die Challenges in den verschiedenen Leveln interagieren. Der Austausch mit anderen steht dabei an oberster Stelle. Über Text-Chat können sich zum Beispiel noch fremde Personen erstmals annähern. Reicht das den Usern nicht mehr aus, bestehen weitere Möglichkeiten, in Kontakt zu treten. Voice-Chat oder Foto- und Videosharing können genutzt werden, um die neu gefundene Person besser kennenzulernen.
Um Teil unserer virtuellen Welt zu werden, bedarf es keinerlei Soft- oder Hardware. Allein eine Registrierung genügt, um Sekunden später auf der Plattform die vielseitigen Angebote nutzen zu können.

Wie entstand die Geschäftsidee und wie lange gibt es das Projekt schon?

Sebastian Funke: 2006 gingen wir mit Smeet ins Netz. Zunächst mit der Idee, eine Multi-User-Telefonie mittels Avataren anzubieten. 2009 gestalteten wir die Plattform zu einer 3D Welt um, in der die Nutzer sich treffen, Avatare und Räume gestalten und virtuelle Güter erwerben können. Virtuelle Welten sind ein Trend, der im Zuge der weltweiten Ausbreitung des Internets entstand und gegenwärtig zu einem eigenen Wirtschaftszweig avanciert. Seit 2010 können die Nutzer zusätzlich auf Smeet Minigames spielen und durch die Implementierung bei Facebook gemeinsam mit ihren dortigen Freunden in die Smeet-Welt eintauchen. Über Postings und Requests besteht die Möglichkeit, sich gegenseitig herauszufordern oder zu unterstützen. Die Verknüpfung mit Facebook-Connect macht das Login bei Smeet überflüssig, da sich die User direkt über ihren Facebook-Account einloggen können.
Die Umgestaltung zeigte sich erfolgreich, denn seit 2009 steigen die Nutzerzahlen kontinuierlich an. Heute sind bereits über 15 Millionen Avatare auf Smeet zu finden und täglich kommen zwischen 25.000 und 30.000 aus über 15 Ländern hinzu.

Wie habt Ihr Euch in den Anfangsjahren finanziert?

Sebastian Funke: Ohne Investoren hätten wir unsere Geschäftsidee nicht umsetzen können. Wir hatten zu Beginn klare Vorstellungen, einen Businessplan und ein gut funktionierendes Gründerteam. Es war nicht schwierig, einen Investor von unserer Geschäftsidee zu überzeugen. Hasso Plattner Ventures (HPV) und Partech standen uns in dieser Zeit zur Seite und unterstützten uns nicht nur in allen finanziellen Angelegenheiten, sondern auch mit ihrem umfangreichen Branchenwissen. Sie gaben uns die Möglichkeit, unsere Vorstellungen umzusetzen und das Unternehmen in die richtigen Bahnen zu lenken.

Was sind die bisher größten Herausforderungen gewesen?

Sebastian Funke: Zwischen 2008 und 2009 entwickelten wir aus der Multi-User-Telefonie die Smeet-Welt, was das Gründerteam stark herausgefordert hatte. Zu diesem Zeitpunkt mussten wir überlegen, wie wir unsere Nutzer erreichen, das heißt, ihnen einen Mehrwert bieten, der sie animiert, die Plattform regelmäßig zu besuchen. Meine Kollegen und ich verbrachten unsere gesamte Zeit im Büro und tüfftelten an der neuen Konzeption. Wie soll die virtuelle Welt aussehen? Was soll sie beinhalten? Wie können wir diese userfreundlich gestalten? Fragen, die in einem begrenzten Zeitraum zu beantworten waren. Darüber hinaus stellte uns die technische Umsetzung vor eine große Herausforderung: Die Neuausrichtung von Smeet machte es erforderlich, das Systems ganz neu aufzusetzen. Wir standen unter enormen Druck und konnten uns anschließend umso mehr über den gelungenen Neustart von Smeet freuen.
Aktuell stellen wir uns der Herausforderung, Smeet international noch bekannter zu machen. Dies wirkt sich sehr positiv auf das Team aus, da alle gemeinsam daran arbeiten, Smeets Erfolg europaweit und darüber hinaus auszubauen.

Wie sieht es mit der Konkurrenz auf dem deutschen Markt aus und was ist euer USP?

Sebastian Funke: Es gibt auf dem deutschen und europäischen Markt kein anderes Online-Portal, das Vergleichbares anbietet. Entweder fokussieren sich unsere Mitbewerber allein auf Social Games oder nur auf die Interaktion zwischen den Nutzern. Wir sprechen mit unserem Angebot Menschen an, die auf besondere Weise flirten, mit anderen Nutzern kommunizieren oder einfach nur spielen wollen. Smeet ist keine reine Spiel- oder Flirt-Plattform. Die Kombination der beiden Komponenten macht das Besondere unseres Angebots aus.

Wo seht ihr Smeet in fünf Jahren?

Sebastian Funke: Smeet ist bereits in Deutschland, Italien, Griechenland, Schweden, Frankreich, Spanien und vielen weiteren Ländern Europas sowie in den USA vertreten. 2012 bauen wir unser Netzwerk in Südamerika weiter aus, so dass wir davon ausgehen können, die 25 Millionen User-Marke noch in diesem Jahr zu knacken. Generell wollen wir in den nächsten Jahren das Wachstum unseres Unternehmens weiter vorantreiben.

Welchen Tipp habt ihr für Leute, die gründen wollen oder gerade erst gegründet haben?

Sebastian Funke: Risiken bestehen für Gründer immer. Wer eine Geschäftsidee hat, sollte diese zum Beispiel mit Leuten aus dem bestimmten Bereich oder auch mit erfahrenen Gründern besprechen, da sie qualifiziertes Feedback geben können. Darüber hinaus sollte der Markt in Bezug auf die Unternehmensidee analysiert werden. Wenn diese beiden Komponenten abgeklopft wurden, kann man Risiken besser einschätzen und mit einem guten Gefühl die Unternehmensgründung angehen. In diesem Zusammenhang habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Glaube an sich selbst unerlässlich ist, denn nur dann kann man auch andere mitreißen und von seiner Idee überzeugen. Das heißt nicht, dass man sich Kritik gegenüber verschließen sollte. Gerade konstruktive Anmerkungen können neue Inspirationen liefern. Mein Tipp: zuhören, reflektieren und gegebenenfalls anwenden.

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